Texte
Einführung in Soloausstellung „Spurensuche – Zwischen Realität und Imagination“,
14. Juni bis 12. Juli 2026
Die Arbeiten, die hier ausgestellt sind, sind auf den ersten Blick Naturräume: Unterwasserlandschaften, ein Blick durch das Geäst eines Baumes, Insekten und Vögel zwischen Blüten versteckt. Schaut man aber genauer hin, tritt eine Verunsicherung auf. Wo befinde ich mir hier konkret? Ist das wirklich Wasser oder vielleicht doch der Blick auf den Himmel durch ein Blätterdach? Sehe ich ein riesiges Riff oder vielleicht doch ein winziges Stück Rinde mit Moos? Was zuerst wie eine Landschaft erscheint, löst sich bei näherer Betrachtung auf zu einem offenen, fast schwebenden Raum – vielleicht sogar ein Traumgebilde.
Tatsächlich bilde ich bei meinen Werken die Natur nie unmittelbar ab. Es gibt keine konkrete Vorlage, die Werke basieren auf Erinnerungen und meiner inneren Bilderwelt. So entstehen Arbeiten, die sich, wie im Ausstellungstitel erwähnt, an der Grenze zwischen Realität und Imagination bewegen. Und damit lade ich auch die Betrachter ein, hinter der scheinbaren Abbildung von Natur einen ganz persönlichen Kosmos zu betreten und für sich selbst zu entdecken. Dazu gleich mehr.
Zunächst einmal: Wie entstehen die Arbeiten? Am Anfang ist alles völlig offen. Ein ungerichteter, intuitiver Farbauftrag. Ich habe in diesem Moment noch keine Vorstellung davon, wohin der Prozess mich tragen wird. Es ist ein Spiel mit dem Zufall, aus dem erste Flächen und Strukturen erwachsen - zunächst noch sehr abstrakt.
Von diesem Chaos lasse ich mich inspirieren. Ich arbeite erste Details heraus an Stellen, an denen ich erste organische Strukturen entdecke, Fragmente von Pflanzen oder Tieren. Andere Stellen wiederum übermale ich komplett. Dieser Prozess verläuft in vielen Schichten und oft über lange Zeiträume. Ich stelle die Bilder manchmal wochenlang zur Seite, drehe sie im Arbeitsprozess auch mal „auf den Kopf“ (wo sie manchmal sogar stehen bleiben) und breche so starre Perspektiven auf. Wenn Sie die Werke genauer ansehen, werden Sie lasierende und offen gelassene Stellen entdecken. Sie sind wie ein Fenster in die Vergangenheit des Bildes und machen seine Entstehungsgeschichte sichtbar. So fließen verschiedene Zeitebenen, ein Werden und Vergehen, scheinbar mühelos ineinander.
An dieser Stelle möchte ich darauf zurückkommen: Warum interessiert mich das? Auch wir Menschen sind keine eindimensionalen, fertigen Skizzen. Auch wir haben einen vielschichtigen Lebensweg. Wir verändern uns ständig, lassen los und schaffen Räume für Neues. Jede Erfahrung, jede Begegnung, jeder Verlust formt ein komplexes, vielschichtiges inneres Bild – eine Topografie unseres Lebens.
Mit meinen Bildern möchte ich dazu einladen, das Tempo unserer schnelllebigen Zeit für einen Augenblick zu drosseln und sich auf diese Vielschichtigkeit einzulassen. Sich Zeit zu nehmen für die verborgenen Zwischentöne.
Dabei liefern meine Arbeiten keine fertigen Antworten. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Vielmehr ist die Spurensuche im Titel der Ausstellung ein ganz persönlicher, offener Prozess - abhängig von der jeweiligen Person, von ihren individuellen Erfahrungen, Erinnerungen und aktuellen Gefühlen. Nach einem Spaziergang am Meer entdecke ich in einem Bild vielleicht eine ganz andere Geschichte als nach dem Besuch der Sixtinischen Kapelle. Die Arbeiten sind eine Einladung zu einer individuellen inneren Reise, die jedem die Freiheit lässt, immer wieder eigene, neue Entdeckungen zu machen.
Und vielleicht berührt die Spurensuche am Ende die Frage: Wo stehen wir als Mensch stehen in diesem unendlich kreativen und faszinierenden Raum der Natur – und wie erhalten wir diese wunderbare Vielfalt.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei Ihrer persönlichen Spurensuche. Die Ausstellung ist eröffnet!